Sonntag, 26. Juli 2015

[Rezension] - Zuletzt die Hunde

Titel: Zuletzt die Hunde
Autorin: Marita de Sterck
Originaltitel: De hondeneters [Niederl.]
Verlag: Oetinger
Erscheinungsjahr: 2012 (1. Aufl.)
Seitenzahl: 249 + Kartenillustration hinten im Buch
ISBN: 978-3-84150-125-7
Preis: 12,00 € [D] | 12,40 € [A]

Worum geht's?:
Der junge, fast achtzehnjährige Viktor verlässt im Kriegswinter 1970 sein Elternhaus, um seinen entlaufenen Hund Django zu suchen. Für Viktor eigentlich hochgefährlich, denn der Krieg fordert täglich Opfer und Viktor leidet an der Fallsucht. Außerdem kommt er aus gutem Hause und hat nur wenig Erfahrung mit der "Außenwelt". Die Armut der Leute schockiert ihn, die Menschen essen, was sie in die Finger bekommen können - auch Hunde.

Meine Meinung

Marita de Sterck beschönigt nichts. Sie zeigt auf, wie schrecklich Krieg ist und welche Opfer er fordert. Die Grundstimmung der Geschichte ist auch daher sehr melancholisch und lässt nur selten Lichtblicke zu. Ich bin mir deswegen unsicher, wie das Buch bei Jugendlichen ankommt, da viele in der Schule bereits mit dem Thema erdrückt werden und dann selten Interesse daran haben, auch privat darüber zu lesen. Dennoch möchte ich mich in dieser Hinsicht sehr für dieses Buch aussprechen, da es durch die Suche Viktors nach seinem geliebten Hund einen roten Faden hat, der auch für Junge Erwachsene interessant sein kann.


Django ist nicht nur Viktors bester Freund, sondern auch sein Warnsignal, wenn er davor ist, einen Anfall zu bekommen. Er beschützt ihn in dieser Zeit und wacht über ihn, bis Viktor sich erholt hat. Viktor hat auch einen Bruder - Nest - der an vorderster Front kämpft. Ihn lernt der Leser durch Briefe kennen, auch wenn er im Buch nie direkt präsent ist. Viktor bewundert ihn sehr, wie das unter Geschwistern eben so ist.
Viktors Reise durch das vom Krieg gezeichnete Belgien ist eine Reise durch eine Welt der Zerstörung, der Grausamkeit und der bittersten Armut. Aber es ist auch eine Reise mit Menschlichkeit und Nächstenliebe. Er lernt gute und schlechte Menschen kennen und wirft die Frage auf, ob ein Mensch wirklich schlecht ist, nur weil er hungert und und bereit ist, unvorstellbares zu tun, um zu überleben.
Zu Beginn jeden Kapitels gibt es eine Art kleine Vorschau, was als nächstes passiert, wodurch man dazu animiert wird, weiterzulesen. 

Die Charaktere

...sind teilweise sehr skurril, aber jede Person besitzt ihren eigenen persönlichen Abgrund, der ihren Charakter erklärt und glaubwürdig macht. Auch Viktor entwickelt sich während seiner Reise stark. Irritierend waren die fremden Namen, die mich manchmal durcheinanderbrachten, ebenso wie die unbekannten Namen der Orte. Eine emotionale Verbindung mit den Charaktern, eine Identifikation, bliebt bei mir aus.
"Zuletzt die Hunde" ist kein Buch zur Unterhaltung. Es ist ein Buch mit Moral. Auf der Rückseite steht: "War kills, that is all it does" - und das stimmt. Krieg tötet nicht nur Menschen, sondern auch all ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche.

Meine Bewertung

Ein Buch, dass ganz schwierig zu bewerten ist, da es ein Buch ist, dessen Thema man einfach nicht bewerten kann. Wenn ich rein von der Charaktergestaltung, der Entwicklung der Geschichte und der emotionale Entwicklung der Charaktere ausgehe, lande ich bei 2,5 von 5 Punkten.


Das Cover

...finde ich außergewöhnlich. Ich kann nicht genau sagen, was ich daran so anziehend finde, aber es war das Cover, dass mich dazu brachte, das Buch endlich zu lesen. Immer wieder lief ich an meinem Regal vorbei und immer wieder blieb es an diesem Engel hängen. Es erinnert mich auch etwas an den Vorspann zur Serie "Ghost Whisperer" - die gedeckten Farben, leicht verschwommen gedruckt, raues Land mit hellen Details. Den gefallenen Engel kann man, wenn man möchte, auch als Symbol deuten für Viktor, der durch seine Fallsucht immer wieder fällt und auf dem Boden aufschlägt. 

1 Kommentar:

  1. Klingt total spannend. Danke für den tollen Einblick ins Buch

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