Samstag, 13. September 2014

[Rezension] - "Sapphique" oder: Incarceron ist überall...

Achtung: Bei diesem Buch handelt es sich um den 2ten Band der Dilogie von Catherine Fisher.
Wer den Vorgänger noch nicht kennt, sollte vielleicht nicht weiterlesen! 
Aber vielleicht interessiert Euch die Rezension zu Band 1? - klick!

Verlag: Penhaligon
Erscheinungsjahr: 2014
Seitenzahl: 480
ISBN-13: 978-3-7645-3081-5
Preis: 19,99 € [D] | 20,60 € [A]

Worum geht's?:

Der Sträfling Finn ist aus Incarceron entkommen, musste dabei jedoch seinen Eidbruder Keiro und die Hundesklavin Attia zurücklassen. Außerhalb ist er ein König, aber nichts ist so, wie Finn es erwartet hatte, denn auch außerhalb trachtet man ihm nach dem Leben. Innerhalb machen sich Keiro und Attia auf die Suche nach Sapphiques Handschuh, der die Flucht aus Incarceron für sie ermöglichen soll.  
Und auch das Gefängnis selbst hat einen teuflischen Plan mit nur einem einzigen Ziel: 
seine eigene Freiheit.

Meine Meinung:

Band 2 hat mir tatsächlich wesentlich besser gefallen als der Vorgänger. "Incarceron" ist ja ziemlich abgestürzt, vornehmlich wegen zu vieler Ungereimtheiten und unlogischen Momenten.
Dennoch wollte ich ja gerne wissen, ob sich alles noch aufklärt und ob und wie sich Incarceron weiter entwickelt. 

"Du atmest Incarceron, du isst und träumst und trägst Incarceron auf deiner Haut. Incarceron ist die Verachtung in jedem Auge hier, das Wort in jedem Mund. Du kannst nirgendwohin, um dem Gefängnis zu entkommen" S. 372

Ein Gefängnis in diesem Ausmaß birgt sehr viel Potenzial und ich hatte noch die Hoffnung, dass Catherine Fisher dieses ausschöpft. Und das tat sie. Incarceron entwickelt sich weiter und Fisher schafft es endlich, eine Welt zu kreieren, wie ich sie mir gewünscht habe. Sie legt im Folgeband mehr wert auf Beschreibungen der Umgebung und auch einige "Kinder" des Gefängnisses treten zutage und sind wirklich grandios (und gruselig!) aufgemacht. Es gibt Wesen, die erschrecken und Pflanzen, die man so noch nie gesehen hat. Die Charaktere hingegen blieben leider wieder sehr flach, allen voran...

"Claudia, manchmal habe ich den Eindruck, dass du überhaupt nichts verstehst." S.209

Claudia stand mal wieder unglaublich auf dem Schlauch und ist einfach ein Charakter, den ich persönlich getrost in den Wind schießen konnte. Gerne hätte ich ihr irgendwas über den Schädel gezogen, in der Hoffnung, dass doch noch etwas Verstand aus ihr herauspurzelt.
Am Ende von Band 1 [spoilerfrei!] macht ihr Lehrer Jared beispielsweise eine Bemerkung über Incarcerons Größe, die wirklich jeder versteht. Nur Claudia nicht, die dumme Nuss. Obwohl sie direkt neben Jared steht und eigentlich quasi mit der Nase auf die Antwort gestoßen wird. 

Weiterhin ist sie wieder ein Paradebeispiel an Egoismus. Sie schickt ein paar Mädchen in Feindeslager. Finn meint, dass der Gegner sie ausfragen wird und Claudia meint nur :"Ich weiß, Aber immerhin werde ich nicht für ihren Tod verantwortlich sein" (S. 353) -GRRRRR!!!

Aber es gab einen Lichtblick: Attia. Dieses Mädchen aus Incarceron hat dem Buch wirklich gut getan. Ich habe eine intensive Verbindung zu ihr aufbauen können und habe die Kapitel herbeigesehnt, indem es um sie ging. 

Bereits im ersten Kapitel trifft man auf die ehemalige Hundesklavin und ebenso wie in Buch 1 beginnt die Fortsetzung mit einem großen Trick, der die Spannung auch wesentlich länger hochhält als Band 1.
Dennoch gab es auch bei ihr ein paar Dinge, die schwer zu verstehen waren. Trotz ihres Aufwachsens in der Hölle kennt sie Wörter wie "Korrumpieren und Leumundszeuge" (S. 259). Aber gut. Ich schiebe das jetzt mal auf ihre Zeit als Sklavin, vielleicht hat sie die Wörter ihres Herren da aufgeschnappt, aber es sind eben solche Aussagen, die nicht hätten sein müssen.

"...er ist dort, wo er hingehört. Dies ist Keiros Welt, eine Welt ohne Freundschaft und ohne Liebe." S. 146

"...warum sollte ich einen Gedanken an die anderen verschwenden? Sie sind nicht ich, Attia. Für mich existieren sie nicht." S. 166
 
Auch Keiro fand ich in Buch 2 sehr interessant. Auch wenn sein Verhalten bis zum ende durchgängig stereotypisch ist, so trug er doch das Gefängnis noch besser in den Kopf des Lesers. Wir denken: "Wie kann er nur soo sein?", dabei repräsentiert er nur durch und durch jemanden, der vom ersten Atemzug an kämpfen musste. In Gewisser Weise trägt er dazu auch zum Überleben der anderen bei, denn er kann schnell Entscheidungen treffen, während Finn in diesem Buch charakterlich noch schlechter abschneidet, als in Band 1. 

Ich fand Finn tatsächlich manchmal überflüssig. Auch das Ende beinhaltete viele überflüssige Charaktere, bei denen ich mir nicht sicher bin, was genau sie umwerfendes zu der Geschichte beigetragen haben. 
Das Ende an sich war zwar spannend, wirkte aber auch etwas verzettelt, vielleicht auch, weil die größte Macht überhaupt am Ende einfach verpufft bzw. von der einen Seite zur anderen überhaupt nicht mehr erwähnt wird.

Catherine Fishers Eigenheit ist es auch, andere Werke aus Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu verknüpfen. Sie erwähnt Märchen und ein Zauberer benutzt zum Beispiel die Worte :"Nenn mich Ishmael" (S. 39), was eine Anspielung auf ein Buch von Michael Gerard Bauer sein könnte. Das finde ich interessant, denn es bietet einem Schriftsteller die Möglichkeit, seine Lieblingsbücher in den eigenen Werken unterzubringen.

Auch in "Sapphique" sind mir einige logische Fehler bzw. Ungereimtheiten aufgetaucht. Allerdings waren die schon etwas weiter hinten im Buch, sodass ich spoilern würde, wenn ich sie hier niederschriebe. Alles in allem hat mir aber Band 2 wirklich wesentlich besser gefallen als Band 1. Er war spannend und hatte durch Attia einen wirklich guten Charakter, der für mich zumindest diese Dilogie gerettet hat. Daher...

Meine Bewertung: (sehr gute) 3,5 von 5 Punkten

Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Penhaligon Verlag und bloggdeinbuch.de .

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