Dienstag, 8. Juli 2014

[Rezension] - "Winters Herz" oder: Ene, Mene, Muh - tot bist du...

Titel: Winters Herz (OT: A Cold Season)
Autor: Alison Littlewood
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl:333
ISBN-13: 978-3-404-16941-2
Preis: 8,99 € [D] / 9,30 € [AT]
 
Worum geht's?:
Die junge Mutter Cass zieht gemeinsam mit ihren Sohn Ben in das kleine Örtchen Darnshaw, in dem sie auch einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Sie werden freundlich aufgenommen und die Bewohner scheinen auf den ersten Blick nett zu sein, aber der Schein trügt. Cass' Sohn Ben beginnt sich zu verändern - er wird verschlossen und aggressiv. Es geschehen seltsame Dinge in diesem beschaulichen Ort. Dann wird die Stadt vom Winter eingeholt und von der Außenwelt getrennt. Für Cass beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
 
Meine Meinung:
 
Ich mochte dieses Buch. Auch wenn dieser Roman auf anderen Portal nur wenig über 2 Sterne hinausgekommen ist, so konnte ich mit diesem Buch doch relativ viel anfangen. Natürlich hatte auch ich ein paar Kritikpunkte, aber man soll ja bekanntlich immer mit dem anfangen, was einem gefallen hat:

Ich mochte die Atmosphäre in dem Buch.

Die verschneite Landschaft, die mysteriösen Aussagen und Handlungen mancher Darnshaw-Bewohner und das einsame Gebäude in das Cass mit ihrem Sohn zieht. Obwohl ich solche Bücher eigentlich mehr im Herbst oder Winter lese, um dieses Feeling noch intensiver zu spüren, so hat mich dieses Buch doch sehr gefesselt. Es war bis auf ein paar kleine Situationen durchweg spannend und hat zum miträtseln angehalten.
Was steckt hinter Ben's seltsamen Verhalten? Warum reagiert er von dem einen Moment auf den anderen über und wird aggressiv?
Auch Cover und Klappentext haben mir hervorragend gefallen, denn das waren eben die Punkte für mich, die ausschlaggebend für den Griff aus dem Regal waren. 

Die Geschichte beginnt mit einer guten Einführung der Charaktere. Nach einen harten Schicksalsschlag möchte Cass eine Veränderung in ihrem Leben und zieht gegen den Willen ihres Sohnes mit ihm nach Darnshaw. Ben hat allerdings mit seiner Vergangenheit noch nicht abgeschlossen, ebenso wenig wie Cass. Cass hofft daher, dass eine neue Umgebung den beiden guttun wird, wobei ich da eher glaube, dass sie verdrängen möchte, anstatt sich mit den tragischen Erlebnissen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. 

In Darnshaw begegnen wir einigen Figuren, die wichtig für den Verlauf der Handlung sind. Eine davon - eine Mutter namens Sally - ging mir ziemlich auf den Keks. Sie ist eine Person, die dich anlächelt und dir dann das Messer in den Rücken rammt. Das merkt auch Cass sehr schnell. Cass hat (zumindest zu Beginn) eine gute Einschätzung von Menschen, was sich aber leider ziemlich schnell verflüchtigt. Ich kam mit Cass gut klar, aber sie war ein sehr einfach gestrickter Charakter, von dem man nicht viel erwarten kann. Sie ist auch mit der Erziehung von Ben überfordert und weiß oft nicht, wie sie handeln soll. Ben spuckt ihr ins Gesicht, aber eine richtige Strafe gibt es nicht. Bei jedem seiner Ausraster zerdenkt sie die Situation so lange, bis sie selbst die böse ist und der Junge das arme unschuldige Kind, das nichts falsch gemacht hat. 
Sie meidet Konfrontationen, vielleicht auch, weil sich früher andere Leute um solche Dinge gekümmert haben. Sie hat nie gelernt, ihrem Standpunkt fest zu vertreten und scheint selbst eine seltsame Kindheit gehabt zu haben. Ihr Vater sagte immer "nicht gut genug" - und das hat sich in Cass Seele gebrannt. Sie ist bemüht eine gute Mutter zu sein, sie weiß nur nicht, wie.

Cass reagiert auch teilweise sehr unlogisch und versteht manchmal die einfachsten Zusammenhänge nicht. Aber gut: wir als Leser checken sofort, worum es geht, aber wenn man selber in dieser Situation steckt? 
Eingeschneit in einer Stadt mit seltsamen (und bisweilen leicht ekligen) Ereignissen und kuriosen Bewohnern? Ich finde, da darf man schon mal auf dem Schlauch stehen. Es wäre dennoch toll gewesen, wenn Cass nach und nach begreift und sich nicht alles in einem Knall in ihrem Kopf entlädt. Aber ich glaube, dass ist vielleicht auch einfach ihr Charakter. Meine Schwester [Hey!] versteht manchmal die kompliziertesten Dinge und hapert dann bei den einfachsten Fragen. Und dass ist auch bei Cass so, denke ich.
Die Autorin hat eine gute Geschichte geschaffen, die man durchaus lesen kann, von der man aber nicht zu viel erwarten sollte. Ich denke auch, dass Leser, die oft und gerne Mystery lesen, hier etwas unterfordert sind oder die Handlung als klischeehaft betrachten könnten. Da ich aber nur hin und wieder Ausflüge in dieses Genre mache, war die Geschichte für mich sehr nett und gut für Zwischendurch.
 
Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten

Am 08.Oktober 2014 erscheint das Buch "Mädchenmorde" der Autorin. Auch wenn mich der Inhalt dieses Buches nicht ganz so interessiert, so möchte ich die Autorin doch im Hinterkopf behalten. Ihr auch?

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