Donnerstag, 17. April 2014

[Rezension] - "Alisik - Herbst" oder: tralli tralla, der Tod ist da...

Titel: Alisik - Herbst
Autor: Hubertus Rufledt 
Verlag:Carlsen
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl:112
ISBN-13: 978-3-551-77026-4
Preis: 7,99 € [D] / 8,30 € [A]

Worum geht's?:  
Alisik ist tot. Und nicht nur das : Sie ist gefangen in einer Zwischenwelt, solange bis entschieden wird, was mit ihr passieren soll. Während Alisik auf eine Entscheidung über ihr weiteres (Ab)leben wartet, versucht sie herauszufinden, warum sie gestorben ist - sie selbst besitzt keine Erinnerung an ihr früheres Leben. Auf ihrer Suche begegnet sie dem blinden Ruben, der sie als einziger lebender Mensch zu hören scheint. Und in den sie sich verliebt.

Meine Meinung:

Ich bin zwiegespalten. Die Illustrationen finde ich umwerfend, aber die Handlung konnte mich leider nicht überzeugen. Die Grundidee (Mädchen stirbt - versucht herauszufinden, warum sie tot ist - verliebt sich dabei in Sterblichen) finde ich sehr gut, aber es ist natürlich im Comic auch schwierig umzusetzen.
Ruben [Der Junge, in den sie sich verliebt] ist blind und scheint sie dennoch als einziger Lebender wahrzunehmen und zu hören. Ist es da nicht zwangsläufig vorhersehbar, dass sie sich in ihn verliebt? Ich frage mich dann immer, ob es nicht einfach nur eine art zweckgebundene Liebe ist, da ja sonst niemand anderes zum verlieben da war. Aber gut, beginnen wir erstmal bei der Handlung an sich:

Der größte Teil der Handlung spielt sich nachts ab, was auf der einen Seite natürlich zur Grundstimmung des Comics passt und auf der anderen Seite noch Spielraum nach oben lässt.

Wird es in den Folgebänden mehr Tageslicht und vor allem "mehr Leben" geben?

Die Illustrationen sind sehr schön: zwar gruselig, aber sehr detailreich und farbintensiv. Man schaut sich die Bilder gerne ein zweites Mal an. Vor allem die Wechsel zwischen Tag und Nacht habem mir gut gefallen, da man immer merkt, wie eintönig Alisiks Nachleben nun sein muss.


Die Gestaltung um die einzelnen Dialoge herum ist auch sehr hübsch. Der Comic sieht an den Rändern etwas abgenutzt und altmodisch aus. Es gibt zwischendurch Seiten mit kurzen Texten, Nebenhandlungen und Gedanken Alisiks. Szenischen Zwischenspiele sind hier gut eingebracht und tragen zur Entwicklung der Handlung bei. Alles, was Alisik nicht hört und sieht, erfährt somit der Leser.

"...unsere Welt hat ihre eigenen Regeln..."

In der Totenwelt gibt es noch ein paar andere Wesen und man merkt schnell, dass Alisik nicht wirklich dazugehört. Am liebsten waren mir hier ein General - mit kreisrundem Loch im Bauch - und die ältere Dame Ottie, die sich sofort Alisik's annimmt.
Alisik selbst ist im Gegensatz zu den anderen Toten sehr niedlich (aber auch wieder gruselig) gestaltet. Sie hat kreisrunde rosa Wangen und erinnert mit den großen langwimperigen Augen stark an eine Puppe. Leider finde ich Puppen ganz fürchterlich und auch Alisik's Körperbau hat mir eine Gänsehaut eingejagt. Auch wenn sie unglaublich gut gestaltet ist, so habe ich persönlich doch immer Probleme mit Puppen und puppenähnlichen Figuren.
Bei Comics hat man ja auch oft das Problem, sich nicht in Figuren reindenken zu können und man hat Schwierigkeiten, Sympathie aufzubauen. Das ist auch hier leider der Fall. Zu Alisik habe ich eine kleine Verbindung aufbauen können, aber Ruben ist mir einfach kein Stück näher gekommen. Er ist nett zu Alisik, aber er kann sie ja auch nicht sehen oder anfassen (zumindest im ersten Band nicht). Er hat also vermutlich keine Ahnung, wer da vor ihm steht. Dennoch frage ich mich wirklich, wie er reagieren würde, wenn er wüsste, WER oder WAS da vor ihm steht.
Ruben besitzt wenig Mimik - es fehlt ihm an Ausdruckskraft und somit auch an Tiefe...

Die Handlung braucht einige Zeit, um sich zu entwickeln. Den ersten Band kann man somit als eine Art Einleitung betrachten. Der Leser lernt die Figuren und den Handlungsort kennen und erfährt erst einmal ein bisschen was übers "untot sein". 
Ich hätte mir insgesamt aber doch noch mehr Seiten gewünscht. Ich hätte vielleicht so kleine Zwischenfrequenzen mit kleinen Lebensläufen der einzelnen Figuren nett gefunden. Es gab auch kleinere Episoden, die ich einfach überflüssig und unnütz fand. Sie wirkten wie Lückenfüller, um von einer Nacht zur nächsten zu kommen.

Der Comic war ganz nett, ich will nicht sagen, dass ich ihn schlecht oder nicht empfehlenswert fand. Allerdings hat er mich auch nicht ganz gefangen genommen, sodass ich mir Band 2 nicht besorgen werde. Ihr dürft mich aber gerne spoilern und verraten wie es weitergeht.

Meine Bewertung: 2 von 5 Punkten

P.S.: Ich habe mir sagen lassen, dass das E-Book eine sehr schlechte Qualität haben soll. Wenn euch das Buch interessiert, dann greift doch besser zum Softcover.
Die Reihe ist übrigens auf vier Bände angelegt.

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