Freitag, 7. Februar 2014

[Rezension] - "Méto - das Haus" oder: 33,333333333333333333 %

© Paralauscher
Titel: Méto - Das Haus
Autor: Yves Grevet
Originaltitel: Méto - La maison
Verlag: dtv - Reihe Hanser
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 224
ISBN-13: 978-3423625142
Preis : 14,95 €

Klappentext: 

64 Jungen leben im HAUS hinter verbarrikadierten Fenstern und Türen. Sie wissen nicht, woher sie kommen, und sie wissen nicht, wohin sie verschleppt werden, wenn ihre Zeit im Haus abgelaufen ist. Fragen dürfen sie keine stellen – tun sie es doch, werden sie von Männern, die sie rund um die Uhr bewachen, brutal bestraft. Als sich einer der Jungen nicht länger seinem Schicksal beugen will und Widerstand leistet, bekommt er die ganze Härte des Systems zu spüren, in dem er gefangen ist. Doch andere eifern ihm nach und erheben sich wie er gegen Gewalt und Willkür, um die Macht des Hauses zu stürzen. Es ist der Beginn eines gefährlichen Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung. Es ist der Kampf des jungen MÉTO.
[Text: Amazon.de]

Meine Meinung:

Dieses Buch besitzt eine gute Grundlage: 64 Jungen unterschiedlichen Alters, eingesperrt in ein Haus, das von so genannten "Cäsaren" bewacht wird. Keiner der Jungen kennt seine Vergangenheit, weiß, woher er kommt oder was mit ihm geschieht, wenn er zu alt/zu groß für sein Bett ist und es bricht - was bedeutet, dass er das Haus verlassen muss

Rede so wenig wie möglich. Stell keine Fragen.

Ich kam mit der Art der Erzählung nicht klar. Der Protagonist Méto war mir einfach zu stumpf. Er redet nicht nur so wenig wie möglich, sondern er beschreibt dem Leser auch nur so wenig wie nötig. Er erklärt und beleuchtet seine Lage im Haus sehr sachlich und unemotional. Auch wenn Méto ein kluger Junge ist, so hatte ich teilweise das Gefühl, dass er unverhältnismäßig handelte. Der Leser erkennt nur in wenigen Momenten, dass ihn das ganze "System" stört, in dem er lebt.  Seine Aussagen und Gedankengänge sind sehr kurz und einfach geschrieben. Méto kam mir teilweise etwas unpersönlich und fast schon lehrerhaft rüber. Er erklärt, was ein Neuling zu tun und zu lassen hat, aber er erklärt nicht das warum. Warum muss ich still sein? Warum darf ich die Cäsaren nichts fragen? Was passiert, wenn ich dies und jenes tue?
Selbst am Ende des Buches hatte ich keinerlei Informationen darüber erhalten, warum alles so ist wie es ist. Ich war quasi genauso schlau/dumm wie zu Beginn der Story.
"Méto - Das Haus" ist nicht wirklich der erste Teil einer Trilogie, sondern vielmehr das erste Drittel eines einzigen Buches. Ich weiß nicht, ob die Story ursprünglich als ein Band gedacht war und der Verlag es dann geteilt hat, aber so, wie es ist, finde ich es schwierig.

"Heute will ich den ganzen Tag lang ein gehorsamer Schüler sein, ein freundliches Schaf. Auf diese Weise bin ich unsichtbar. Es ist wichtig, dass man mich vergisst" S. 95

Für Jugendliche ist es natürlich auch so, dass der erste Teil mit einem Cliffhanger endet und sie dazu angehalten sind, mit ihrem Taschengeld sofort Band 2 zu kaufen. Das stört mich schon an den Warrior Cats - auch wenn ich die Reihe liebe

Das Cover des Buches finde ich sehr ungewöhnlich, fast schon unkonventionell. Es ist anders, interessant, aber sicher nicht für jeden anziehend. Ich persönlich denke sogar, dass es mit Absicht eher Jungs als Mädchen ansprechen soll, was natürlich mit dem Inhalt des Buches gut einhergeht.

Gut fand ich, dass die Jungen alle Namen aus der römischen Antike hatten, ich bin gespannt, welche Namen mir im zweiten Band begegnen werden, vielleicht ja auch weibliche? Im ersten Band werden euch nämlich keine Mädchen über den weg laufen...

Es geht um Gehorsam, um Disziplin. Es geht um Macht.

Die Macht der Cäsaren, die Macht von etwas höherem über die Jungs. Es geht um die Revolution der Jungen und darum, die Freiheit zu erlangen, die sie vielleicht niemals hatten. Es geht um Unterwerfung und Dominanz, was mir bei Büchern für Jugendliche hin und wieder aufstößt. Ich liebe Dystopien, keine Frage... aber warum muss es immer jemanden geben, der unterdrückt oder dominiert wird? Und was ziehen Jugendliche daraus für Schlüsse? 

© Paralauscher
Ich bin dem Jugendalter entwachsen, aber ich weiß, dass Bücher mich früher viel beeinflusst haben in meinen Entscheidungen. Ich frage mich also, welche Schlüsse ein 14-Jähriger aus diesem Buch zieht. Es gibt auch einige Stellen, die von sinnloser Gewalt beherrscht werden. Es gibt zum Beispiel einen geheimnisvollen Kühlraum, in den die ungezogenen Jungen bisweilen eingesperrt werden. Und wer in der Kälte einschläft, der wacht vielleicht nicht mehr auf. Natürlich wird nicht jeder Gewaltakt haarklein erzählt, aber die Tatsache, dass etwas passiert, bringt einen schon zum grübeln...
Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, mit 63 anderen Kindern des gleichen Geschlechts in einem Haus eingesperrt zu sein und unterjocht zu werden. Méto gibt sich auch keine Mühe, es dem Leser zu erklären oder ihn in seinen Kopf gucken zu lassen. Und selbst, wenn er jetzt abgestumpft ist, so kann er doch beschreiben, wie er sich zu Beginn seines Lebens im Haus gefühlt hat.

Auch wenn mir Band 1 nicht übermäßig gefallen hat, so möchte ich dennoch nicht aufgeben. Das Potenzial ist da, nur an der Umsetzung hapert's. Ich werde Band 2 "Méto - Die Insel" lesen und dann ein endgültiges Urteil fällen. Auch dann werde ich wissen, ob das Buch eher eine Dystopie ist oder eine Utopie, im Moment schwanke ich noch. Aber vielleicht ist es auch einfach ein Buch, dass sich in keine Schublade stecken lässt, das eigenständig ist und sich von anderen unterscheidet. Mal sehen...

Meine Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich immer sehr über Kommentare! Aber bitte unterlasse Verlinkungen zu anderen Websites, inklusive deiner eigenen.