Dienstag, 25. Februar 2014

[Rezension] - "Das göttliche Mädchen" oder: Die Liebe, das Leben und der Tod...

Titel: Das göttliche Mädchen
Autor: Aimée Carter
Originaltitel: The Goddess Test
Verlag: MIRA Taschenbuch (Label)
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 304
ISBN-13: 978-3-86278-326-7
Preis : 9,99 € [D] / 10,30 € [AT]

Worum geht's?: 

Kates Mutter ist schwer an Krebs erkrankt. Ihr letzter Wunsch ist es mit ihrer Tochter in das Örtchen Eden zu gehen. Doch Eden ist ganz anders als das pulsierende New York, das Kate so liebt. Kurz nach ihrer Ankunft lernt sie allerdings den jungen Henry kennen. Er ist sehr still und wirkt tieftraurig auf Kate, was sie mehr anzieht, als sie sich eingestehen will. Nach einem Vorfall mit einer Mitschülerin erkennt Kate, dass Henry kein normaler Teenager ist: Er ist ein Gott mit der Macht über Leben und Tod. Er bietet Kate an, ihre Mutter zu heilen. Im Gegenzug muss sie sieben Prüfungen bestehen und die Wintermonate bei ihm verbringen. Ein Deal, den Henry schon einigen Mädchen angeboten hat, doch keine überlebte... 

Meine Meinung:

Ich habe es mit Göttern eigentlich nicht so. Weder die Göttlich-Reihe von Angelini noch Percy Jackson (Riordan) konnten mich fesseln. "Das göttliche Mädchen" hat mich allerdings angezogen, weil es um den Gott der Toten geht. Und das ist mal einer, der mich dann doch interessiert. Auch wenn er hier Henry statt Hades heißt. Aber beginnen wir bei Kate:

Sie war mir sympathisch und auch die anderen Figuren konnte ich gut leiden. Selbst Henry, der leider ein bisschen schwach dargestellt war, mochte ich gerne. Mir gefiel seine Unsicherheit und die Tatsache, dass er auch äußerlich kein Stereotyp ist. Er besitzt viel Herz und hat damit alles, was man mit Hades verbindet, über den Haufen geworfen. Er ist vorsichtig gegenüber Kate, aber trotzdem liebevoll und ernsthaft an ihr interessiert.

Ein bisschen schwierig zu verstehen fand ich die Verwandschaftsverhältnisse zwischen den Figuren. Henry beteuert zwar, dass zwischen bestimmten Personen  keine Blutsverwandtschaft besteht, aber auch um die Götter auseinander zuhalten musste ich immer wieder nach hinten blättern, denn dort gibt es eine kleine Hilfe - eine Figurenübersicht der Götter von Eden. Diese Hilfe nimmt zu Beginn des Buches viel vorweg, weil sie bei einigen Figuren schon ihre wahre Identität verrät, andererseits braucht man sie später, um überhaupt durchzusteigen. Auf etwa 4-5 Charaktere hätte ich verzichten können, ich hätte es vielleicht besser gefunden, wenn sie erst in einem der späteren Bücher aufgetaucht wären, wenn man schon etwas in der Materie drinsteckt. Dafür gab es anderer Charaktere - zum Beispiel Kates Schulfreund James - von dem ich mir mehr Anwesenheit gewünscht hätte. Ich hoffe wirklich, dass er in den Folgebänden eine tragendere Rolle bekommen wird.

"Was würde ich tun, um den Tod davon abzuhalten, endgültig seinen Würgegriff um die letzten Fetzen meines Lebens, die er noch nicht gestohlen hatte, zu schließen? Meine Mutter hatte er schon gezeichnet, wartete in den Schatten, um sie mir wegzunehmen, rückte jeden Tag näher".


Es geht in diesem Buch neben der Liebe zwischen Kate und Henry auch um das Abschied nehmen. Kate hat in ihrem Leben viel gekämpft und begonnen, sich an Dingen festzukrallen, die sie früher oder später verlieren wird. Ich bin mir nicht sicher, ob Kate ihre Verlustängste in diesem Buch schon überwunden hat. Ich habe vielmehr die Vermutung, dass Kate ihre Gefühle von ihrer Mutter auf Henry überträgt. Dass sie ihre Angst nicht loslässt, sondern sich eher auf etwas konzentriert, dass sie nicht so schnell verlieren kann. Sie klammert sich mit aller Macht an Henry und ich bin mir daher noch nicht ganz sicher, ob ihre Gefühle für ihn wirklich aus Liebe entstanden sind oder aus Trauer und Verzweiflung.


Neben der Ordnung ihrer Gefühle soll Kate auch noch 7 Prüfungen bestehen, die schon einige Mädchen vor ihr das Leben gekostet hat.
Die Idee hinter den Prüfungen ist sehr gelungen, allerdings bin ich von ihnen selbst sehr enttäuscht. Ich habe mir hier mehr Spannung und vor allem auch körperlichen Einsatz gewünscht, was leider ausblieb. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich Kate sogar ein bisschen leiden sehen. Ich wollte spüren, wie sie um Henry kämpft, so wie ich es einst bei Cassie und Bär gelesen habe. Natürlich kann man diese Bücher nicht miteinander vergleichen und das will ich auch gar nicht. Mir fehlte einfach Liebe.

"Sie mochte bereit sein,aufzugeben, aber ich würde niemals aufhören, um sie zu kämpfen."

Kate ist zu Beginn des Buches eine Kämpferin - ein Mädchen, das weiß, was es will. Diese Eigenschaft scheint sie während der folgenden Monate zu verlieren. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass sie immer mehr Verantwortung abtritt. Zu Beginn musste sie immer funktionieren und Tag und Nacht für ihrer Mutter da sein. Mit der Zeit aber beginnt sie Freundschaften aufzubauen und auch Gefühle für andere zuzulassen, sie entspannt sich sichtlich und vergisst dabei ihren stressigen Alltag. Sie lernt wieder, Dinge zu genießen und sich das Leben zurückzuholen, dass sie hatte, bevor ihrer Mutter an Krebs erkrankte.

Man merkt der Autorin ihr Alter deutlich an [86er Jahrgang]. Der Stil ist sehr einfach und klar, es gibt hin und wieder deutlich umgangssprachliche Ausdrücke, die mir nicht ganz so gut gefallen haben. Es reicht mir, dass Jugendliche jeden Tag um mich herum so reden, da muss ich das nicht auch noch in Büchern lesen. Es gab auch einige inhaltliche Fehler und Schwächen, die beim Verlag eigentlich hätten auffallen müssen. Am Ende tauchen Figuren auf, die vorher überhaupt nicht erwähnt wurden und die ich lediglich durch die Namensliste zuordnen konnte. Aber das ist nur ein kleines Beispiel.

Das Cover gefällt mir wirklich gut und auch die Folgecover sind wieder wunderschön.
Die Geschichte hat sehr viel Potenzial, die Vermischung von mystischen Elementen mit der Jetztzeit hat auch bei vielen anderen Jugendbüchern gut funktioniert. Ich freue mich, weiter in diese Welt eintauchen zu dürfen und hoffe, dass ich noch viel mehr erfahren werde.
Ich habe mir bereits Band 2 der Reihe gekauft und auch Band 3 hat bei mir Einzug gehalten.
Insgesamt ist es ein solides und spannendes Buch mit einigen kleineren logischen Schwächen, daher...

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten

Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an J. Wertheim vom Cora-Romanverlag und natürlich an den Verlag selbst.

Kommentare:

  1. Ich sollte wohl auch endlich mal mit der Reihe beginnen! Band 1 und 2 habe ich glaube ich auf meinem SuB liegen, aber ich komme einfach nicht dazu. :(
    Trotzdem schönes Fazit.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, unbedingt! Ganz eindeutige Leseempfehlung^^

      Löschen
  2. Hallihallo,

    deine Rezi zu dem Buch finde ich auch sehr schön und ausführlich. Und du hast recht, wenn du schreibst, dass man der Autorin ihr Alter anmerkt. In den folgenden Bänden wird das noch viel, viel schlimmer. Ich habe eben in meiner Rezi gesehen, dass ich das Buch damals schon einmal als daily soap eingeordnet habe. Dieses Buch hätte als Einzelband mit ein wenig mehr Konzentration auf das Wesentliche wunderbar funktioniert. So wird die Geschichte in den beiden folgenden Bänden total zerredet, sie wird immer oberflächlicher und die Figuren immer unsympathischer. Die logischen Fehler werden im letzten Band besonders schlimm. Ich finde das so schade, aber das ist nicht zu ändern.

    Liebe Grüße aus dem Tintenmeer
    Sandy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin nun sehr gespannt auf die Folgebände! Ich hoffe wie gesagt, dass James etwas mehr hervorkommt und hoffe wirklich nach deiner Meinung, dass ich Personen keinen Rückschritt machen, sondern sich entwickeln. Die Geschichte hat viel potenzial und ich denke auch, dass die Autorin noch einiges leisten wird. Mit jedem Buch entwickelt auch sie sich weiter und irgendwann wird es dann auch zu logischen Fehlern sicher nicht mehr kommen.

      Danke für deinen kommentar!

      Löschen

Ich freue mich immer sehr über Kommentare! Aber bitte unterlasse Verlinkungen zu anderen Websites, inklusive deiner eigenen.