Sonntag, 2. Februar 2014

[Rezension] - "Beautiful Joe" oder: LESEN! SOFORT!

© Paralauscher
Titel: Beautiful Joe - Der Hund, der die Menschen verändert hat
Autor: Margaret Marshall Saunders
Originaltitel: Beautiful Joe, an Autobiographie
Erscheinungsjahr: 2013 [Erstausg. 1893]
Seitenzahl: 198
ISBN-13: 978-3-86671-113-6
Preis: (D) 12,95 €

Klappentext:
Erzählt wird die Geschichte eines misshandelten Mischlingshundes, der von einem entschlossenen und mutigen Jungen gerettet wurde. Beautiful Joe wird von der Familie des Jungen gesund gepflegt und setzt sich später mit seinem Leben für seine Familie ein.
Beautiful Joe beruht auf einer wahren Begebenheit, die die Autorin aus der Perspektive des Hundes erzählt. Er wurde tatsächlich von der Familie der Autorin aus den Händen eines sadistischen Bauern gerettet. Seine Geschichte hat Millionen Menschen berührt und seither grundlegend die Einstellung zu Tieren, die unser Leben begleiten, verändert. [Verlagstext]

Meine Meinung:

Joe lebt bei einem Tierquälenden Milchmann namens Jenkins. Jenkins tötet Joe's Geschwister und verletzt den Hund schwer. Er schneidet Joe Rute und Ohren ab und nur durch Zufall wird der Hund gerettet. Er kommt zu der Familie Morris, für die ein Tierleben genauso viel wert ist, wie das eines Menschen.

"Jedes Kind hat eine Stimme, mit der es berichten kann, was ihm widerfahren ist, aber ein Tier muss stumm leiden"

Die Morris' sind eine großartige Familie. Jedes der Kinder wächst von Geburt an mit Tieren auf und lernt von Anfang an gut mit ihnen umzugehen und ihnen kein Leid anzutun. Joe liebt diese Familie vom ersten Augenblick an, besonders das Mädchen Miss Laura hat es ihm angetan. Auch ich mochte die siebzehnjährige sehr gerne, aber auch ihre Brüder waren mir sympathisch.
Joe's Geschichte wird von ihm selbst erzählt. Ich finde es immer wieder spannend, Geschichten aus Tierperspektiven zu lesen, denn es gibt viele Dinge, die Tiere nicht verstehen oder Sachen, für die sie andere Wörter haben als wir Menschen. Joe drückt sich auch immer sehr einfach und kurz aus, man merkt in den Dialogen eindeutig den Unterschied zwischen Mensch und Tier. Joe erzählt was er sieht und manchmal beschreibt er auch das, was die Menschen sehen, auch wenn nicht immer alles offensichtlich ist.

Joe erzählt Stück für Stück, Kapitel für Kapitel in kleinen Alltagsgeschichten, wie die Menschen auf ihn reagieren, denn durch seine kupierten Ohren ist er keine Schönheit mehr.

"Ich weiß, dass ich nicht hübsch bin, und ich bin auch nicht reinrassig. Ich bin nur ein Bastard" S. 9

Miss Laura und ihre Familie versuchen durch Joe und ihr Engagement, anderen Menschen ein größeres Bewusstsein für Tiere zu geben. Sie zeigen auf, was die Menschen eigentlich wissen: Dass es Tieren nicht gut geht, wenn sie geschlagen werden um mehr Leistung zu bringen. Und dass sie leiden, wenn sie zu Dutzenden in engen Tiertransportern eingesperrt sind. Dass sie ersticken oder zu Tode getrampelt werden, bevor sie überhaupt ihr Ziel erreichen.

Die Originalausgabe erschien bereits im 19. Jahrhundert.

Trotzdem ist die Geschichte was die Sprache anbelangt leicht zu verstehen und moderner, als man glauben könnte. Ich hatte keine Probleme damit, irgendetwas nicht zu verstehen, auch für jüngere Menschen ist dieses Buch daher geeignet.
Abgesehen von der Sprache gibt es natürlich "historische" Teile. Man begegnet in diesem Buch Kutschen, harter Feldarbeit und großen Bauernhöfen. Die Ausdrucksweise der Menschen war damals auch noch etwas gehobener und es wurde etwas schachtelig gesprochen. Dennoch ist alles gut zu verstehen. Die Sprache ist aber auch ein Teil der Geschichte. Sie zeigt auf, wie schnell die Welt sich doch gedreht und verändert hat. Wie Schnell Tiere für uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Viel zu wenig Menschen machen sich heutzutage noch darüber Gedanken, wo ihr Fleisch eigentlich herkommt. Wie das Tier gehalten wurde oder von welchem Bauernhof (wenn überhaupt!) es stammt. Dieses Buch diente damals dazu, den Tierschutz ins Gespräch zu bringen bzw. die Gemüter wieder zum diskutieren zu bringen. 
Natürlich sind nicht alle diese Dinge - vor allem die Medizinische Behandlung der Tiere - nicht mehr modern und es wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen dass, "die Empfehlungen, z.B. für die Behandlung von Krankheiten " nicht mehr aktuell sind (Rücktitelseite).

Ich muss zum Ende kommen...

...aber ich könnte wirklich ewig über dieses Buch schreiben, denn es hat mich wirklich bewegt! Joe's Gemüt und seine Einstellung zum Leben bringt den Leser dazu, sein Haustier mit anderen Augen zu betrachten. Hunde sind kluge und einfühlsame Tiere. Sie sind vielleicht nicht so intelligent oder entwickelt wie wir, aber auch sie haben die Fähigkeit zu lieben. Wir können viel von ihnen lernen.
Sie haben eine ganz andere Definition von Zuneigung und Treue als wir Menschen und wir sollten dies schätzen und nicht ausnutzen. Joe und die Familie Morris haben viele Themen ins Rollen gebracht, die mich nachdenklich gemacht haben: Darf man Pferden Scheuklappen aufsetzen oder macht man Ihnen damit nur noch mehr Angst? Darf man Hunden die Rute kupieren, nur weil sie dann schöner aussehen? Geben glückliche Hühner nicht auch bessere Eier und gut behandelte Kühe mehr Milch?

Ein großartiges Buch, für mich ein "Muss-man-gelesen-haben!".

Meine Bewertung: 5/5 Punkten

Ich weiß, dass einige von euch bei 12,95 € für knapp 200 Seiten ein bisschen grübeln werden, aber ich verspreche, es lohnt sich. Ich musste es alleine schon wegen des fantastischen Covers kaufen.

Mein Dank für die Nutzung des Verlagstextes und die Abbildung des Covers geht an Gerhild Tieger/das Autorenhaus.

1 Kommentar:

  1. Die Geschichte klingt echt interessant, deswegen ist das Buch direkt auf meine Wunschliste gewandert.
    Vielen Dank fürs vorstellen :)

    Liebe Grüße,
    Julia

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