Sonntag, 19. Februar 2012

[Rezension] - "Unland" oder: ICH-WEIß-NICHT-WAS...

Titel: Unland
Autor: Antje Wagner 
Verlag: Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenzahl: 384
ISBN-13: 978-3827053398
Preis : 9,95 € [Neuausg. mit anderem Cover)

Klappentext:
Die vierzehnjährige Franka muss von Berlin nach Waldburgen ziehen, in ein Elbdorf mitten in Sachsen- Anhalt. Sie ist der "Neuzugang" im Haus Eulenruh, einem Wohnprojekt für sieben Kinder und Jugendliche. Doch irgendetwas stimmt nicht in dem Ort. Wieso schweigen die Erwachsenen so beharrlich, wenn man sie auf das verlassene Dorf Unland, diese Ruinenlandschaft am Waldrand, anspricht? 
Als plötzlich ein Junge aus dem Haus Eulenruh verdächtigt wird, einen Diebstahl begangen zu haben, gründet Franka eine Bande. Während die "Eulen" versuchen herauszufinden, wer hinter der Verleumdung steckt, stoßen sie auf ein viel größeres und unheimlicheres Geheimnis. 

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, ob ich das Buch gut oder schlecht finden soll....
Ich habe es aufgrund einer Empfehlung gelesen und passenderweise kann ich dieses Buch auch für die Lieblingsbuch-Challenge nutzen.
Die Geschichte beginnt mit Frankas Weg zum Haus Eulenruh. Der Leser merkt schnell, dass sie ein typisches Anti-Mädchen ist. Sie kleidet sich wie ein Junge, hat weder für Schminke noch für Klamotten was übrig und hört am liebsten Sido und Peter Fox.
Sie wird schon am Anfang zur Außenseiterin und man merkt, dass sie schon eine Menge durchgemacht hat - ebenso wie die anderen Kinder aus Haus Eulenruh. Und obwohl die Jugendlichen alle sehr interessant und unterschiedlich gestaltet sind, habe ich mich mit keinem von Ihnen identifizieren können. Und das war vielleicht auch der Grund, warum ich in die Geschichte nicht wirklich reinkam.

Es war zwar "ganz nett", die Jugendlichen dabei zu verfolgen wie sie herausfinden müssen, was genau mit dem mysteriösen Dorf "Unland" geschehen ist und wer diesen seltsamen Diebstahl begangen hat.Aber leider baut die Geschichte zu keiner Zeit an Spannung auf.  Man muss über 300 Seiten erfolgloser Ermittlungen verfolgen, bis man überhaupt erstmal auf die Idee kommt, was Unland überhaupt darstellt.

Die Figuren entwickeln sich nicht, am allerwenigsten Franka, die aber nun mal eben die Hauptperson des Buches ist. Ich war wirklich kurz davor das Buch abzubrechen, aber mir wurde gesagt, dass es ein "fulminantes" Ende geben soll. Also las ich weiter und... das Ende kam....
Und nun : ACHTUNG SPOILER! (zum weiterlesen bitte Schrift markieren) 
Franka und ihre Freunde betreten Unland und lassen damit sogenannte "Schatten" frei, die ihre Rolle im echten Leben einnehmen, während Franka und ihre Freund in Unland gefangen sind. 
Und ab dieser Stelle beginnt erst die Entwicklung der Jugendlichen. Nur leider kommt die zu kurz, da das Buch knappe 40 Seiten später endet.
Das Ende bzw. die Idee hinter Unland fand ich unglaublich kreativ, aber man musste erst über 300 Seiten bewältigen um da hinzukommen.
Antje Wagner hätte den Anfang einfach auf 100 Seiten kürzen sollen, um sich dann mehr auf das Leben in Unland fixieren zu können. Und DAS wäre eine tolle Story geworden...

Auch diese ganze Bandenbildung war mehr so larifari. 

Nicht so spannend wie die Drei ??? oder TKKG. Ein paar Kids setzen sich hier zusammen, sagen "Wir nennen uns jetzt Eulen" und dann ist das Buch auch schon fast vorbei. Die Jugendlichen arbeiten erst zum Ende hin als Gruppe zusammen, aber auch dass wird nicht ausreichend beschrieben. Antje Wagner belässt es bei einem Rückblick auf die Ereignisse, so, als wolle sie nun nach 300 Seiten möglichst schnell zum Schluss kommen...

Alles in allem hätte die Story echt Potenzial haben können, dass durch die aber gefühlte 300 Seiten lange Einleitung einfach zu kurz gekommen ist. Schade.    

Meine Bewertung : 2/5 Punkte

Kommentare:

  1. tolle rezi ^^
    ich dachte ich könnte es mal meinen kleinen Bruder kaufen damit er endlich mal ein Buch liest aber das klingt ja selbst für mich tot langweilig hast meinen respekt das du es bis zum ende gelesen hast ^^
    ich hätte es zur seite gelegt und erst wahrscheinlich in einem Jahr wieder weiter gelesen.....
    lg Alisia

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  2. Danke für die Rezension. Interessant, dass du das Buch nicht spannend fandest. Ich selber fand, dass dieses Buch wirklich e x t r em spannend ist. (Hab ich selten so bei deutschen Autoren gelesen.) Und vor allem ist es auch gruselig. Die Charaktere waren ungewöhnlich gut ausgebaut, jeder einzelne trug ein (schreckliches) Geheimnis mit sich herum, das erst langsam sein schreckliches Gesicht zeigte. So wie auch Unland sehr langsam sein wahres und schreckliches Gesicht zeigte.

    Es war für mich sehr wichtig, dass die Figuren von verschiedenen Seiten gezeigt und beleuchtet wurden - ich selbst konnte mich mit jedem und jeder identifizieren.

    Wir hatten die Autorin mal an der Uni, da hat sie erklärt, wie sie arbeitet. Ich hab das Buch dann gelesen, und fand es total gut.
    Die Spannung wurde langsam und raffiniert aufgebaut, vor allem auch durch die interessante Symbolik. Die ist für mich wie ein Fährte gewesen, der ich folgen musste. Und sie hat den scheinbaren Alltag durchdrungen wie so eine dunkle Untergrundmusik, so dass man wusste, das stimmt alles nicht: Alles, was ich lese, ist eigentlich anders. Ich hatte immer das Gefühl, gleich springt etwas aus den Seiten raus. Ich konnte (und wollte) nicht mehr aufhören zu lesen.
    Mich hat es an einer Stelle sogar so sehr gegruselt, dass ich immer mal vom Buch hochschauen musste, ob da nicht noch jemand im Raum ist.

    Alles in allem: Ein Pageturner. Ich finde, das Buch zeigt sein wahres (und vollständiges) Gesicht erst beim erwachsenen Leser. Ich glaube, Kinder können den echten Schrecken noch nicht erfassen. (SPOILER: Es geht darum, wie aus Opfern Täter werden. Die "Eulen" sind die Bösen, niemand sonst, weil sie selbst einmal kaputt gemacht worden sind, aber ihre Verletzungen liegen nicht da, wo man sie sehen kann. So wie Unland im Verborgenen liegt. - Betreten verboten.)
    Ich finde das Buch außergewöhnlich. Außergewöhnlich gut.

    LG Barbara

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  3. @Barbara:
    Hui… endlich mal ein langes Kommentar ;-)

    Über die Spannung;
    Ich gebe zu, dass es ein paar gruselige Stellen gab und vll. auch ein paar Spannungsmomente, aber diese kurzen Stellen haben mich leider zu keiner Zeit in das Buch „hineingezogen“, weißt du was ich meine?

    Ich empfinde etwas dann als spannend, wenn ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte oder auch mich gar nicht richtig traue weiterzulesen eben weil ich ein bisschen Schiss habe.
    Aber vll. bin ich gegen Spannung oder Grusel schon ein bisschen abgehärtet, ich habe früher als Teenie so gut wie alles gelesen was irgendwie gruselig war und auch heute gucke ich für mein Leben gerne Gruselfilme.
    Die Stellen, an denen sich die meisten Leute schon die Augen zuhalten, machen den Film bzw. das Buch für mich erst spannend.
    Vll. habe ich die Story deshalb nicht als spannend empfunden. Das Ende wiederum ist wirklich Weltklasse, die (Achtung Spoiler) Veränderung der Kinder in Unland ist wirklich genial, aber ich finde eben, dass es alles zu kurz gekommen ist. Ich hätte gerne mehr über ihr Leben in Unland erfahren und ihre Pläne sich zu befreien etc.

    „Die Charaktere waren ungewöhnlich gut ausgebaut, jeder einzelne trug ein (schreckliches) Geheimnis mit sich herum, das erst langsam sein schreckliches Gesicht zeigte.“

    Teils, teils…. Es ist richtig, dass jede Figur ihre eigene Geschichte hat, die schlimmste haust in den Köpfen der Zwillinge.
    Ich fand es ganz nett zu lesen, wie verschieden die Charaktere sind und wie Franka sich in die Gruppe integriert, aber ich hätte das ganze vll. noch interessanter gefunden, wenn die Story aus verschiedenen Erzählperspektiven geschildert worden wäre. Ich fand Franka ab ca. der Hälfte des Buches langweilig, auch deshalb, weil ich mich nicht mit ihr identifizieren konnte.
    Ich finde nicht, dass die Eulen böse sind, zu keiner Zeit…
    Natürlich ist Ihnen schreckliches Widerfahren, vll. haben sich die Schatten auch erst durch diese Geschichten entwickelt, aber… jeder aus Waldburgen hat einen Schatten in Unland oder nicht?

    Ich hätte einfach gerne mehr über das Leben in Unland erfahren. Welche Fallen versuchen sie zu stellen? Wie viele Leute wohnen dort? Wie sieht es mit der Hygiene etc. aus?
    Außerdem hatte ich mir erhofft, dass sich zwischen Franka und einem anderen Jungen aus Haus Eulenruh eine Liebesgeschichte entwickeln würde, aber das alles wurde eben nicht weiter beleuchtet, obwohl man schon irgendwie gemerkt hat, dass sie einander sympathisch sind.

    Sollte es irgendwann eine Fortsetzung geben, würde ich sie vielleicht sogar lesen – sofern die Geschichte sich etwas schneller entwickelt, als es hier der Fall ist.
    Geschmäcker sind und bleiben verschieden. Und genau das ist es, was Bücher interessant macht ;-)

    Vielen lieben Dank für dein Kommentar!

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  4. Ich finde es gut, dass man so viel Verschiedenes in diesem Buch sehen kann. Meines Erachtens nach geht es nämlich überhaupt nicht um eine "Veränderung" der Kinder ab dem Ende, wie du schreibst.

    Die Kinder verändern sich in diesem Moment doch nicht rapide, die s i n d die ganze Zeit hindurch "beides" (gut und böse), nur ist eines verborgen (die böse Seite) und die gute Seite ist eben sichtbar. So wie eben auch Unland das Verborgene beherbergt (die böse Seite der Menschen.)
    Unland ist doch eine Metapher dafür - die Spiegelwelt, die parallel und zeitgleich existiert. Es leben immer beide: die Menschen und die Schatten.

    Die Kinder werden ständig von sich selbst beobachtet, das heißt: von dem zerstörerischen Teil in ihrem Wesen. Und das drückt sich untergründig immer in dem Buch mit aus, Szene für Szene. Und das finde ich eine ganz große Idee.

    Ich hab das Buch jedenfalls nicht aus der Hand legen können, WEIL es so irre spannend war. Da waren so unglaublich viele rätselhafte Hinweise, dass die Kinder nicht das sind, was sie sind, dass sie eben nicht nett und lieb sind, und erst nach und nach (und deshalb ist die Länge wichtig!) kam die grausame Wahrheit ans Licht. erst am Ende wurde klar, dass alles noch viel viele schlimmer ist, als man dachte.

    Ich fand es wirklich total packend. Die Spannung ist hintergründig. Sie kommt nicht krawumm aus dem Gebüsch geschossen. Sie kommt langsam und wird dann monströs. Vielleicht ist das einfach nicht deine Spannung, aber ich mag das viel mehr, als wenn mich etwas anbrüllt. Ich mag es, wenn es mir über die Schulter schaut und mir plötzlich ins Ohr flüstert. (Ich krieg schon wieder Gänsehaut ...)

    Ehrlich - ich seh das Buch komplett anders als du: Als total gelungen. Eine Mischung aus Sozialroman, Horror und Mystery.

    Ich selbst empfinde z.B. überhaupt nicht, dass diese Charaktere sich nicht oder erst ab dem Ende entwickeln. Das ist doch eigentlich der Entwicklungsroman per se! Jede Figur macht eine psychologische Entwicklung durch, alle öffnen sich wie Bücher und offenbaren ihre finsteren Geheimnisse.
    Und Franka selbst war für mich ein überaus spannender Charakter, weil sie "geschlossen" ankam und sich langsam, Stück für Stück, geöffnet hat und du Einblick bekamst in diese Seele, die nicht nur voller Erinnerungen, sondern auch voller blutroter Schrecken ist.
    Und diese Liebesgeschichte fand ich toll. Ich mag das, dass es nicht breitgetreten wird.Sie ist anders als normale Liebesgeschichten. Man könnte sich fragen, warum. Vielleicht, weil Franka anders ist. Ich finde das eine richtig tolle Idee.

    Ehrlich - ich seh es ganz anders. Ich finde das Buch groß. Und erschreckend. Und sehr lesenswert. :-)

    LG Barbara

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  5. Ich habe noch etwas vergessen. Möglicherweise wäre "Schattengesicht" von derselben Autorin genau das richtige Buch für dich. Das hat auch so ein geniales Ende, ich fand das Buch wirklich gut, aber für mich war es einfach viiiiiiel zu KURZ. (Ich tauche gern ein.) Vielleicht ist es aber für dich genau richtig, weil du gern schnell auf den Punkt (und auf den Schrecken) kommen willst. *GRINS*

    LG Barbara

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  6. @Barbara:

    Ich habe Schattengesicht soeben auf meinen Wunschzettel gepackt ;-)
    Ich finde es übrigens toll, dass du so viel geschrieben hast, das machen die wenigsten^^
    Ich finde es interessant sich auszutauschen und mal andere Meinungen zu hören.
    Ich hatte mich sehr auf Unland gefreut, und dementsprechend waren meine Erwartungen auch sehr groß.
    Vll. habe ich auch einfach "zu viel" erwartet und wurde daher enttäuscht. Ich habe auch ein paar andere Rezensionen zu Buch gelesen und die waren durchweg gut.
    Ich würde niemandem von dem Buch abraten, auf keinen Fall. Sämtlich Rezensionen entsprechen ja nur meiner eigenen Meinung und es gibt auch Bücher, die nur mit einem Punkt von mir bewertet werden, aber trotzdem für viele der Hit sind.
    ich habe zum Beispiel grade Sookie Stackhouse in meinem Regal liegen, vll. kennst du sie?
    Ich selbst habe angefangen zu lesen und musste es echt weglegen, weil es überhaupt nicht mein Stil ist.
    Ich weiß aber auch, dass es unglaublich viele Anhänger von Sookie gibt und sie sogar verfilmt worden ist!

    Aber gut, zurück zu Unland.
    Ich kann deine Meinung nachvollziehen und verstehe was du mit der Metapher zwischen gut und böse und Unland und den Geschichten der Kinder meinst.
    Trotzdem kann ich mich der Meinung noch nicht ganz anschließen.
    Ich weiß nicht warum, aber...
    Unland selbst ist ja ein böser und düsterer Ort etc., aber denkst du, dass die Schatten der Kinder dort böse sind? Ich finde das etwas unklar,vll. habe ich es aber auch nicht richtig herausgelesen. Vll. sind die Schatten auch nur verzweifelt? Vll. wollen sie auch ein Teil der Gesellschaft sein und fühlen sich einsam in Unland, sodass sie eben alles daran setzen Franka und ihre Freunde nach Unland zu ziehen.
    Natürlich ist das Zerstören der Bäume und der Diebstahl an den Tieren ein Verbrechen, aber ich denke nicht, dass es ein Akt der Bosheit oder so war.
    Ich denke, dass die Schatten sich einfach nur ein besseres Leben gewünscht haben oder?

    Grüße

    P.S.: Hast du vll. auch einen eigenen Blog oder hättest du vll. Lust eine eigene Rezension zu Unland zu schreiben, die ich dann in deinem Namen hier veröffentliche?

    P.P.S: Bitte achte nicht auf rechtschreibung, ich habs in Eile getippt^^

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  7. Ich glaube, genau das, was du sagst, meint das Buch auch. Die Schatten sind natürlich nicht böse, weil das Buch zeigen will, wie das Böse entsteht und was es eigentlich bedeutet. Denn ist das Böse böse? Was bedeutet "böse" überhaupt?

    Wie gesagt, wie hatten die Autorin mal bei uns an der Uni und haben dann das Buch behandelt, und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Unland das Unbewusste Frankas (oder aller Eulen) ist, und dass dort eben die Verstümmelungen wohnen. Bzw. dass Unland diese Verstümmelung IST.
    Es ist: die weggedrängten, grauenhaften Verletzungen Frankas (und vielleicht auch aller Eulen), und die wollen rauskommen. Genau wie du es gesagt hast. Und genau das soll der Leser wahrscheinlich auch spüren: Dass die rauskommen w o l l e n, und man soll da mitfiebern.
    Solche Menschen (die eine Gewalterfahrung gemacht haben) werden oftmals selber zu Gewalttätern. Schau dir mal jugendliche Täter an und dann sieh mal in deren Vergangenheit.
    In Unland spiegelt sich das Unbewusste der Kinder (oder Frankas), und das Böse (wenn jemand einen Hund töten will, ist das im allgemeinen Glauben böse, oder?) ist eben nicht böse, es ist etwas, was aus Verzweiflung entsteht. Das erkennen die Kinder, so wie man selbst als Leser aber eben erst ganz zum Schluss. Man denkt das ganze Buch durch, da ist jemand Böses, der den Kinder was "antun" will, und am Ende sieht man, es sind die Kinder selbst, die sich das antun. Das Gleiche geschieht mit "realen" Kindern, die Gewalterfahrung haben: Sie werden häufig auch gewalttätig. Entweder anderen oder sich selbst gegenüber. Etwas anderes passiert in diesem Buch auch nicht.

    Das Buch geht einfach darum, wie Gewalt entsteht, und wie schrecklich es ist, weil diese Kinder eigentlich in mehreren Hinsichten bestraft sind. Unland ist natürlich nicht real, es ist diese Welt der tiefliegenden, vergessenen Verletzungen, es ist die Welt, wo die Seele verstümmelt wurde (= Ruinen, Verbrennung, Zerstörung, Unland ist ja "eigentlich" Waldburgen, aber völlig zerstört, so wie auch Frankas Seele zerstört wurde, obwohl sie von außen ganz normal aussieht, und bei den anderen Eulen sieht das nicht anders aus.)
    Die Autorin zeigt unglaublich gut, wie die Schatten sich - genau wie du sagst - ein Leben wünschen (= Franka soll sich mit ihrem Trauma, ihrem zerstörten Selbst auseinandersetzen, es "frei"lassen, sonst schießt dieses verletzte Ich zurück und zerstört Franka. So wie es auch oft bei solchen Kindern passiert.) Verstehst du. Das Buch ist total erschreckend. Es ist wahnsinnig ehrlich und es zeigt den Schrecken, ohne ihn zu beschönigen, und es zeigt den Lesern, was physische und psychische Zerrüttung eben wirklich bedeutet. Und das finde ich - im Jugendbuch und auf so eine spannende, zugleich unterhaltende UND berührende Art - einfach phänomenal.

    Ich hab leider keinen Blog. Ich würde zu viel Zeit damit verbringen und nicht mehr zum Studieren kommen. *GRINS*

    LG Barbara

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  8. Ich fande das Buch Unland SEHR GUT !!!

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  9. Oh hier ist ja (endlich mal) eine richtige Diskussion entstanden. Da könnte man glatt neidisch werden! ;) Da will ich auch mal meinen (kleinen) Senf dazugeben.

    Ich habe in deinem Index gesehen, dass du nur 2 Sterne vergeben hast, und da musste ich unbedingt schauen, was dich gestört hat. Es überrascht mich eigentlich gar nicht. Ich finde auch, dass viele Rezensionen und die Buchbeschreibung den Leser auf eine völlig falsche Fährte locken. In dieser ganzen ersten Hälfte ist dieses Buch ein perfektes Jugendbuch, das bestens als Unterrichtslektüre herhalten könnte. Es thematisiert so viele jugendliche Probleme und wie damit umgegangen wird. Für "Unland" ist da gar kein Platz. Es wird zwar immer wieder mal ganz unauffällig eingeflochten, aber es gerät (und ich denke, dass ist Absicht und eine echte Leistung der Autorin) irgendwann beim Lesen dermaßen in Vergessenheit, dass man selbst vollkommen vom Hereinbrechen des Unmöglichen überrascht wird.

    Für mich ist die Autorin eine Meisterin des subtilen Horrors. Aus kleinen eigentlich normalen Situationen generiert sie in mir eine Panik, die ich teilweise nicht beschreiben kann. Hier in dem Buch traf das z.B. auf die Stelle mit dem Stromausfall beim Jahrmarkt zu. Die habe ich darum auch in meiner Rezi bewusst zitiert. Obwohl ein Stromausfall eigentlich nichts besonderes ist, greift Wagner an dieser Stelle doch unsere Urängste vor der Dunkelheit auf und schafft es, uns so darin gefangen zu halten. Das Gleiche habe ich auch bei "Vakuum" bemerkt. Sie schreibt Geschichten, die so langweilig normal sind - in diesem Buch treibt sie es wirklich auf die Spitze -, um dann mit dem hereinbrechenden Unmöglichen eine geradezu irrationale Angst in uns auszulösen. Sie zieht einfach einen kleinen Baustein aus der Realität heraus und bringt alles ins Wanken. Das ist für mich die Leistung einer wirklich großen Autorin. Dafür bin ich gern bereit, ein wenig zu warten.

    Liebe Grüße aus dem Tintenmeer
    Sandy

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