Sonntag, 15. Januar 2012

[Rezension] - "Winter in Maine" oder : Lieben oder Hassen?

Titel: Winter In Maine
Autor : Gerard Donovan

Originaltitel: Julius Winsome
Verlag: btb Verlag
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 208
ISBN-13: 978-3442742240
Preis : 17,95 €

Klappentext:

Julius Winsome hat den Schuss gehört. Zumindest glaubt er das, denn in den Wäldern von Maine ist kurz vor Winteranbruch Jagdsaison – es hätte also auch jeder andere Schuss gewesen sein können. 
Sein geliebter Pitbullterrier Hobbes jedenfalls schafft es gerade noch, sich 500 Meter zu ihm hin zu schleppen, bevor er an der aus nächster Nähe kaltblütig in seinen Rücken gefeuerten Schrotflintenladung zugrunde geht. Kurzerhand nimmt Winsome, der in der Einsamkeit mit seinen geerbten Büchern und den antiquierten Worten Shakespeares lebt, sein ebenfalls geerbtes Scharfschützengewehr und macht seinerseits Jagd auf die Jäger. Drei von ihnen erlegt er sofort – auch wenn keiner von ihnen mehr sagen kann, ob er tatsächlich Hobbes’ Mörder war. 

Meine Meinung:

Julius ist anders. Und er weiß das auch. Der 51-Jährige lebt in seiner eigenen kleinen Welt, abgeschnitten von dem "normalen" Leben. Und es stört ihn nicht im geringsten. Solange er seinen Hund Hobbes hat und seine Bücher ist die Welt für ihn in Ordnung.
Julius erzählt anfangs viel aus seinem Leben. Er erzählt von seinem Vater und dessen Vater, über sein Leben, den Krieg und die Toten, die es gab und die von vielen vergessen worden sind.
Ich glaube - und hinter der Meinung stehe ich wirklich fest - dass der Mord an seinem Hund nur ein Auslöser für seine Handlungen war. 

Ich habe schon mit jemanden geredet der meinte:

"Der zieht in den Wald und schießt alle nieder nur weil sein Hund tot ist. Das ist doch kein Grund!"

Aber ich glaube, darum geht es nicht. Julius zieht in den Wald und tötet Menschen, das ist richtig. Und er fragt auch jeden, der noch nicht ganz tot ist, ob er seinen Hund getötet hat.
Aber es geht ihm nicht um Rache, sondern um Wissen. Er möchte einfach nur wissen, wer der Mörder war. 
Es geht im nicht nur um den Hund, sondern auch darum, dass mit dem Hund sein Leben aus den Fugen gerissen wurde. Sein ganzer Tagesablauf dreht sich und sein relativ geordnetes Leben ändert sich. Und das verkraftet er nicht. Es geht ganz allein um ihn, er macht das für sich.
Ich glaube auch, dass Julius eine nicht sehr tolle Kindheit gehabt hat, auch wenn er persönlich sie "in Ordnung" fand. 

Das engl. Cover
Sein Vater hat ihn zu einem intelligenten Mann erzogen, der es schafft sein Leben zu meistern. Er lebt aber mehr "vor sich hin" - er ist nicht mehr der jüngste und hat weder Kinder noch eine Freundin. 
Er hatte mal eine, aber die hat sich für einen anderen entschieden, weil Julius nicht genau wusste, wie er mit ihr umgehen sollte.
Sie war für ihn "einfach da", aber er hat nicht verstanden was sie brauchte und wollte.
Umso mehr hat er sich an den Hund Hobbes geklammert, der einzige, der ihm zuhörte und nicht wiedersprach und ihm Aufgaben erteilte so wie sein Vater einst.
Es geht nicht um den Hund, sondern um den Menschen an sich. Es geht auch um die Liebe zur Literatur, zu Shakespeare und darum, wie man (über)leben kann ohne richtig zu leben.
Ich denke, selbst wenn Hobbes nicht gestorben wäre, hätte irgendetwas irgendwann bei Julius klick gemacht und er hätte etwas absurdes getan.
Normalerweise habe ich immer großes Mitleid, wenn Menschen in Büchern sterben, aber Julius beschreibt es als sowas entgültiges und normales, dass man selber irgendwie abstumpft und die Toten nicht mehr als Menschen sondern nur noch als "Etwas" betrachtet, was ich sehr erschreckend fand.
Ich hatte teilweise sehr viel Mitleid mit Julius, aber nie mit einem seiner Opfer...
Ich gebe zu, es ist ein Buch, dass man entweder lieben oder hassen muss. Auch der Anfang des Buches ist mehr konfus als interessant, aber ich fand, es hat sich gelohnt....

Meine Bewertung : 4/5 Punkte 

Das könnte euch auch interessieren:

Rezension "Harold" von einzlkind - klick!

Kommentare:

  1. Ein toller Blog! Ich LIEBE Bücher und suche immer nach Tipps und Rezensionen! Dieses Buch hier klingt sehr interessant, finde ich klasse :>

    AntwortenLöschen
  2. Oh ich entdecke hier gerade viele meiner Schätze. Besonders dieses hier - mit dem mich so viel verbindet :-)
    Tolle Rezension.

    Kennst du schon sein neues?

    GLG
    Karin

    AntwortenLöschen
  3. @Karin:

    Nein noch nicht, aber ich werde definitiv noch eins seiner Bücher lesen!

    AntwortenLöschen

Ich freue mich immer sehr über Kommentare! Aber bitte unterlasse Verlinkungen zu anderen Websites, inklusive deiner eigenen.