Dienstag, 25. Oktober 2011

[Rezension] "Flutland" oder : Immer alle druff!

Vorab: Ich weiß, viele haben sich die Rezension zu Silberlicht gewünscht, aber ich habe es einfach noch nicht geschafft. Flutland habe ich vor einer Weile schon fertig geschrieben und habe ihm gestern Abend nur noch den letzten Schliff verpasst. Ich rechne mit der Rezi zu Silberlicht Ende der Woche.
Titel: Flutland
Autor: Emily Diamand
Originaltitel: Flood Child
Verlag: Chicken House
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 352
ISBN-13: 978-3-551-52003-6

Klappentext:
Im Jahr 2216. England steht unter Wasser und ist dreigeteilt. In den Sümpfen hausen gefährliche, blutrünstige Piraten. 
Einfache Fischer bewohnen die Letzten Zehn Grafschaften. Und technikgläubige Schotten leben im Norden. Ein instabiles Gebilde, das zusammenbricht, als die Tochter des Premierministers entführt wird. Ausgerechnet Lillys Fischerdorf soll dafür zur Verantwortung gezogen werden. Und das bedeutet den Tod. Also fasst Lilly einen Plan. Sie wird zu den Piraten segeln und ihnen einen geheimnisvollen Juwel als Lösegeld anbieten. 
Doch der Juwel ist ganz und gar nicht, was er vorgibt zu sein. Dann kreuzt auch noch Zeph ihren Weg. Und der ist der Sohn des Piratenbosses ...

Meine Meinung:
Ne Ohrfeige müssten sie kriegen – allesamt. Eine links, eine rechts - vielleicht kommen sie dann wieder zur Vernunft, denn...
Lilly und Zeph schimpfen wie die Kesselflicker!!!
Aber gut - zum Anfang:
Das Buch beginnt ziemlich dramatisch – der Überfall auf Lillys Dorf kostet einen von ihr sehr geliebten Menschen das Leben - Lilly ist nun so gut wie alleine, soll mit ihren 13 Jahren sogar zwangsverheiratet werden. Ihr Schiffskater soll dabei als Mitgift wirken, da Schiffskatzen sehr selten und unglaublich begehrt sind.
Lilly macht sich – starrköpfig und aufmüpfig wie sie ist – als Junge getarnt auf den Weg, ihr Dorf zu beschützen und die Tochter des Ministers zu retten. Nur leider ist Lilly immer noch ein Kind – und denkt auch oft wie eine 7 Jährige, auch wenn sie eigentlich schon älter ist.
Sie wirft sich naiv und waghalsig in ein Abenteuer, von dem der Leser von anfang an weiß:
„Das geht nicht gut….“
Aber gut - lieber einmal mehr auf die Fresse fallen, als es niemals versuchen - hat auch meine Mama immer schon gesagt!
Auf ihrem Weg zu den Piraten lernt Lilly, nun "Lilo" - Zeph kennen – den Sohn des Piratenbosses. Also wäre Zeph mein Sohn gewesen, hätte ich ihm schon längst die Löffel langgezogen. Er säuft wie ein Loch wenn ers kann, seine Klappe ist größer als seine Beine weglaufen können und er stänkert wie die Kinder aus Berlin-Kreuzberg….
Und wenn etwas nicht nach seinem Willen geht, gibts "Kloppe"...
Mir fehlten oft echt die Worte!
Er handelt auch oft unüberlegt, in seiner schnellen und ungestümen Art ähnelt er Lilly.
Die Geschichte selbst entwickelt sich sehr schnell, und auch wenn Zeph und die anderen Bewohner von Flutland ziemlich ungehobelte und unfreundliche Wesen sind, so kann Zeph am Ende doch unterscheiden was Recht und was Unrecht ist.
Lilly fand ich etwas sehr seicht gehalten, Zeph war als Charakter viel präziser und stärker im Vordergrund. Vielleicht liegt es aber auch an seinem frechen Wesen, dass man ihn eher als Hauptfigur betrachtet als Lilly.
Lilly ist ein naives Mädchen - gerne hätte ich ihr in der ein oder anderen Situation einen Klapps auf den Hinterkopf gegeben.
Dennoch wachsen beide einem ans Herz, es sind ja eben doch noch Kinder, die oft gar nicht wissen inwiefern sich ihr Handeln auswirken kann. Etwas, was gut gemeint war, kann manchmal ganz schön nach hinten los gehen.


Lilly weiß, dass Piraten keine Engel sind und trotzdem versucht sie ein "Juwel" gegen die Tochter des Ministers zu tauschen.
Gut fand ich im Buch die verschiedenen Erzählperspektiven:
Die unsicheren und chaotischen Kapitel aus Lillys Sicht und die sturen, trotzigen Kapitel von Zeph.
Das Buch war auch mal ganz anders geschrieben, als das, was man sonst so kennt:
„Ich kreisch wie ne Irre, so was hat die Welt noch nicht gehört!“ S. 101
Das ganze Buch ist sehr "Umgangssprachlich" geschrieben, es fallen oft so Sätze wie "Oh, diese olle Göre, hätt die nich mal dass Essen vom Feuer nehmen können. Also echt jetzt ma."
Naja... so in der Art...
Die Idee hinter dem Buch finde ich sehr gelungen – es gab vor Jahren einen großen Kollaps, der etwas mit den ganzen „Putern“* wie Lilly sie nennt zu tun hatte. Das Wasser eroberte sich das Land zurück – viele große Städte stehen unter Wasser und die Menschen sind zu ihren Ursprüngen – ganz ohne Technik – zurückgekehrt, das Leben spielt sich auf dem Wasser ab, Piraten sind die Herrscher der Meere und Gewalt spielt eine große Rolle.
Denn wer nichts besitzt, muss sich was nehmen - meist von Menschen, die selbst auch nichts haben.
Während des Lesens habe ich auch eine Menge über die Seefahrt gelernt, das Buch enthält einige Fakten, die aber so geschickt in die Geschichte eingebaut wurden, dass es nicht langweilig wird.
Lilly und Zeph landen beispielsweise während ihrer Fahrt in einen dichten Nebel und anhand der Handlung kann man viel darüber lernen, warum der Nebel so gefährlich ist.
Interessant ist auch die vom Chicken House Verlag gestaltete Seite zum Buch :
Klick!
Blöd fand ich den großen Cliffhanger am Ende des Buches. Eigentlich war es noch nicht einmal ein Cliffhanger - es wirkt eher so, als wäre die Handlung einfach unterbrochen worden.

Im 2. Teil "Flutland in Flammen" geht es aber wohl noch mehr in die Welt der Technik hinein, Roboter werden eine große Rolle spielen.
Ich werde den zweiten Band sicher auch lesen, aber nur, wenn ich ihn irgendwo im Angebot sehe oder gar geschenkt bekomme.
16,95 € kosten die Bände jeweils und ich hab momentan einen so hohen Sub, der will abgebaut werden :-)

Meine Bewertung: 3/5 Punkte
*Es geht um hochintelligente Computer, die sogenannten KI - Künstliche Intelligenz.

Kommentare:

  1. Lustig, ich habe das Buch im letzten Jahr gelesen und kann mich gar nicht daran erinnern, dass so rumgeflucht wurde :-) Den zweiten Teil will ich auch auf jeden Fall lesen, obwohl die Charaktere doch sehr jung sind, hat mir das Buch gut gefallen.

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  2. Ich habe das Buch vor einer Weigkeit gelesen und habe das zweite auf Englisch gelesen. Die Zivilisation ist nach dem Kollaps ungefähr bis ins Mittelalter zurück gesprungen, deshalb fand ich es jetzt nicht so komisch, das die sich so benommen haben :) liebe Grüße Mein Blog

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  3. @Friedelchen:
    Insgesamt fand ich das Buch auch sehr gut, nur dieser "Wow-Effekt" ist leider irgendwie ausgeblieben.

    @Lennie:
    Stimmt, durch den Kollaps wurden die Menschen in der Zeit wirklich sehr zurückgeworfen, daher ist dieses rüpelhafte Verhalten eigentlich logisch.

    Wie fandest du denn den 2ten Teil?

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  4. Das zweite Teil besser als der erste da ich die Charaktere und den Sprchstil schon kannte, es gab auch sehr unerwartete überraschungen, auf Englisch war es ein bisschen schwierig weil umgamgssparchlich :)
    Tintenwelten>

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