Sonntag, 18. September 2011

[Rezension] - "Du weißt, wo du mich findest" oder Große Klappe, nichts dahinter?

Titel: Du weißt, wo du mich findest
Autor: Rebecca Stead
Originaltitel: When You Reach Me
Verlag: cbj
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 240 S.
ISBN-13: 978-3-570-13906-6

Klappentext:
Die 12-jährige Miranda führt ein scheinbar völlig normales Leben – Schulstress, schlimmste Feindin und Patchworkfamily inklusive. Bis, ja bis ihr bester Freund Sal ihr eines Tages einfach die Freundschaft kündigt. Denn von da an überschlagen sich die Ereignisse: Plötzlich erhält Miranda mysteriöse Botschaften, die sie vor einem tragischen Todesfall warnen – den nur sie verhindern kann! 
Doch wer ist derjenige, den sie schützen soll? Und warum kennt der unbekannte Schreiber nicht nur ihre Vergangenheit, sondern offensichtlich auch ihre Zukunft? Für Miranda beginnt ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit, denn sie hält das Schicksal eines Freundes in Händen ...

Meine Meinung:

Hach ja... so ein wunderschönes Cover... ich hab mich so auf dieses Buch gefreut, wurde beim Lesen aber ein bischen enttäuscht. Warum, das erzähl ich euch gleich.
Das Buch ist aus der Sicht der kleinen Miranda geschrieben. Schon gleich am Anfang merkt man, dass sie das was sie schreibt, an jemand ganz bestimmten richtet. Das Buch ist eine einzige große Geschichte, die sie der Person erzählt, die die mysteriösen "Botschaften" an sie schickt.
Miranda ist in vielerlei Hinsicht sehr erwachsen. Sie unterstützt ihre Mutter sehr und handelt oft intuitiv richtig, sie stellt sich ihren Ängsten und besitzt eine Reife, die ich bewundernswert finde:

"Wenn ich mich vor jemandem fürchte, der hinter mir hergeht, drehe ich mich zu ihm um – die Person ist immer ein Junge – und frage: „Entschuldige, kannst du mir sagen, wie spät es ist?“ Das ist meine Art zu sagen: „Ich betrachte dich als Freund, also gibt es keinen Grund, mir wehzutun oder mich zu beklauen. Außerdem gibt es bei mir nichts zu holen. Ich habe nicht einmal eine Uhr.“ S. 36

Miranda begegnet einem Anfangs mit viel Witz und Charme, man mag sie. Vielleicht auch deswegen, weil sie eben ein Kind ist und man Kinder immer irgendwie lieb gewinnt.
Allerdings führt Miranda auch ein unbeständiges Leben, welches ich einem Kind für seine individuelle Entwicklung nicht wirklich wünschen würde. 
Sie und ihre Mutter leben nicht gerade im Überfluss, ihre Mutter klaut oft Dinge von ihrer Arbeit und bis auf Sal hat sie Anfangs eigentlich keine wirklichen Freunde.
Aber im großen und ganzen reicht es Miranda, sie ist ein sehr genügsames Kind.
Rebecca Stead hat sich bemüht, Miranda gedanklich sehr reif darzustellen, aber doch gibt es ein paar kleine Ungereihmtheiten:

"Mam sagt immer, dass er* uns bei einem Feuer rein gar nichts nützen würde und wir aus dem Fenster in den Nachbargarten springen müssten. Glücklicherweise wohnen wir bloß im zweiten Stock" S. 19
*Feuerwehrschlauch

Ach, und wenn man aus dem zweiten Stock springt (vll. 6 bis 7 Meter) kann man sich nicht alle Knochen brechen?

Glücklicherweise wird Miranda mit jedem Satz und jeder gelesen Seite reifer, sie entwickelt sich unheimlich schnell, lernt die Menschen zu verstehen und sie zu akzeptieren, auch wenn sie anders sind als der Durchschnitt. Sie löst sich auch von ihrer Mutter etwas, öffnet sich der Welt und auch uns Lesern in einer Weise, die sich wahrscheinlich viele Mütter von ihren pubertierenden Kindern wünschen würden.
Auch wenn Mirandas Mutter vielleicht nicht die beste Mutter ist, so bringt sie ihr doch einige Grundlegende Dinge bei:

„Mam sagt immer, dass jeder einen Schleier trägt, der ihn von der Umwelt trennt, wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag, nur dass dieser Schleier unsichtbar ist. Wir wandern zufrieden mit diesem Schleier vor dem Gesicht durch die Welt, die durch den Schleier ein bisschen verschwommen aussieht. Genauso mögen wir es.
Aber manchmal wird dieser Schleier für eine kurze Zeit weggeweht, als ob ihn ein Windstoß lüftet. Und wenn dieser Schleier nicht mehr vor unserem Gesicht hängt, sehen wir die Welt, wie sie wirklich ist, nur ein paar Sekunden lang, ehe sich der Schleier wieder senkt. Wir sehen die ganze Schönheit, die ganze Grausamkeit, die Traurigkeit und die Liebe. Aber meistens sind wir ganz glücklich darüber, dass wir all das nicht erkennen können. Manche Menschen lernen, den Schleier nach Belieben zu lüften. Dann sind sie nicht mehr von einem zufälligen Windstoß abhängig." S. 87

"Manchmal fühlt man sich in dem Moment am gemeinsten, in dem man aufhört, gemein zu sein. Es ist, als würde man das Licht einschalten und erst dann bemerken, wie dunkel es im Zimmer geworden war. Und das, was man normalerweise tat, das was man immer getan hatte, erschien wie ein ins Scheinwerferlicht getauchter Geist, den zuvor jeder verleugnet hatte, obwohl alle ihn sehen konnten." S. 171/172

Es ist ein schwieriges Buch, ein Buch, in dem man auch zwischen den Zeilen lesen muss. 
Leider bin ich persönlich für solche Bücher nicht geschaffen, ich habe die Spannung vermisst, den "Höhepunkt" der Geschichte. Das Buch hat mich in vielen Momenten leider gelangweilt, es passieren bis zum Ende nicht wirklich spannende Dinge.
Aber ich bin doch froh, das Buch bis zum Ende gelesen zu haben, denn es hat ein überraschendes Ende, dass schon fast in die Kategorie "Science Fiction" fällt. 

Meine Bewertung: 2/5 Punkten

P.S.: Es gibt übrigens eine schöne Rezension zu dem Buch von Collection of bookmarks - das Buch wurde dort mit 4,5 Punkten bewertet, eine tolle Rezension, solltet ihr lesen... hier! 


Kommentare:

  1. Uuii, hast du einen tollen Blog *.*
    Bin auch gleich Leser geworgen (Gin86) ^^
    Gruß Hanna :*

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  2. Das Buch war eigentlich ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste... nach deiner Rezi ist es allerdings ein paar Stücke weiter nach unten gewandert :/

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  3. Leihen wäre natürlich toll, aber wie soll das denn gehen? :D
    Ich fand die Poison Diaries klangen total gut, aber hab irgendwie nur schlechte Kritiken gelesen... na ja, ich komm bestimmt irgendwann dazu mir eine eigene Meinung zu bilden. :)

    Liebe Grüße :)

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  4. Mhm, schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Ich denke auch mal, dass man eher zwischen den Zeilen lesen muss, um auch wirklich Gefallen an dem Buch zu finden. Mir persönlich hat das Buch ganz gut gefallen, gehört auch zu meinen kleinen Lieblingen im Bücherregal. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. ;-)

    Liebe Grüße!

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  5. Danke für die Rezension, ich weiß manchmal auch nicht, was ich von Geschichten ohne "Höhepunkt" halten soll, aber die Andeutung des science-fiction haften Endes hat mich doch neugierig gemacht :-)

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  6. Ist eigentlich wirklich ziemlich einfach. :D
    Natürlich kriegst du das Buch zurück! Ich muss dich allerdings vorwarnen, dass ich teilweise ziemlich lesefaul sein kann. Aber es wäre super nett von dir!
    Am besten ich melde mich nochmal, wenn ich etwas leseluft habe, in Ordnung? In 2 Wochen sind ja Ferien.. :D

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  7. @Elle:
    Na klar, sag einfach Bescheid, am besten per E-Mail^^

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  8. Es ist halt leider so, wie die Seitenleiste deines Blogs schon so weise verkündet: "Es gibt Bücher, deren Umschlagdeckel mit Abstand ihre besten Teile sind."

    Niemand kommt mit jedem Buch gut zurecht und manchmal merkt man erst zuspät, das man "daneben" gegriffen hat.

    LG Rekymanto

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  9. @Rekymanto:
    Tja, wie recht du hast. Aber was solls. Ich fand den Klappentext damals wirklich gut und das Cover war der Wahnsinn und mein Freund hat es mir dann auch geschenkt, nachdem er es auf meiner Wunschliste entdeckt hat.
    Ich habe auch viele gute Rezensionen zu dem Buch gelesen nur irgendwie war es nicht wirklich mein Geschmack...

    Lustig finde ich immer wenn ich ein Buch super toll finde und es dann ein paar Jahre später noch einmal lesen und es dann ganz schrecklich finde.
    Irgendwie wechselt der Geschmack dann doch sehr mit der Zeit..
    vielleicht finde ich es in 3 Jahren ja total toll, na das wäre ein Ding :-)

    Danke fürs Kommentieren...!

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  10. Hallo ^^
    ich finde deinen Blog unheimlich schön. Bin jetzt regelmäßiger Leser geworden.
    Würde mich freuen, wenn du auch mal bei mir vorbeischaust: www.buechersymphonie.blogspot.com
    Wenn er dir gefällt würde ich mich freuen, wenn du auch regelmäßiger Leser wirst :)
    Liebe Grüße

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