Montag, 11. Juli 2011

[Rezension] - "Die Enklave" oder: Alles für die Katz?

© Paralauscher
Titel: Die Enklave
Autor: Ann Aguirre
Originaltitel: Razorland
Verlag: blanvalet
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 349
ISBN-13: 978-3-442-26812-2
Preis : 14,00 € [D]

Worum geht's?:

Die Stadt New York wurde durch einen fürchterlichen Krieg zerstört. Die gesamte Oberfläche wurde dabei durch Säureregen unbewohnbar gemacht und die Überlebenden mussten sich in den Untergrund zurückziehen. In den U-Bahn-Tunneln leben auch das Mädchen Zwei und ihr Partner Bleich. Als Jäger versuchen sie tagtäglich genug Nahrung für ihren Clan zu erlegen. Eines Tages aber wird Zwei an die verseuchte Oberfläche verbannt. Diese Verbannung bedeutet ihr Todesurteil. Überraschend schließt sich ihr aber Bleich an, denn er will Zwei um jeden Preis beschützen.


Meine Meinung:

...kommt spät, ich weiß. Ich habe dieses Buch bereits Anfang Juni gelesen und ärgere mich jetzt, dass ich es nicht eher geschafft habe, eine Rezension zu schreiben. In Zukunft wird mir das nicht mehr passieren. 


Ich muss ehrlich gestehen, dass ich den Klappentext schon so ein bisschen seltsam fand...
Wer heißt schon "Zwei" oder "Bleich"?
Aber als ich dann anfing dieses Buch zu lesen, merkte ich schnell, das man in Zwei's Welt von Glück reden kann, überhaupt einen Namen zu bekommen. Das Leben in der Enklave ist hart, brutal und ich war immer wieder froh so ein schönes Leben zu haben und nicht in Zwei's Haut zu stecken.
Der Einstieg in das Buch gestaltete sich allerdings doch etwas schwierig, eben aufgrund der Namen.

Seide, Zwei, Bleich, Zwirn, Dreifuß, Fingerhut, Stein. 

Der Leser lernt sehr viele Personen auf einmal kennen und ich selbst hatte kurzfristig etwas den Überblick verloren, wer nun männlich oder weiblich ist und wie die Figuren zueinander stehen. Leider gibt sich Ann Aguirre auch nicht die Mühe, die Personen genauer zu beschreiben.
Lediglich Bleich's aussehen wird sehr gut und sehr genau beschrieben und auch Zwei lernt man nach einer Weile besser kennen.


Interessant und gut beschrieben fand ich auch die fleischfressenenden "Zombies", die in den Tunneln hausen. Im Buch werden sie "Freaks" genannt. Das fand ich zuerst ein bisschen lustig, weil ich mir vorgestellt habe, wie lauter Computernerds in den Tunneln rumlaufen und mit ihren Brillen nach einem werfen. Als ich dann aber wirklich gemerkt habe, wie brutal diese -*Verzeihung*- Viecher sind, und wie sie sich im Laufe des Buches entwickeln, fand ich den Begriff doch ziemlich passend.

Die Story an sich ist gut geschrieben: flüssig, schnell, actionreich. Man wagt nicht es aus der Hand zu legen. 

Mir hat dieses Buch auch deswegen gefallen, weil es ganz anders anfing, als andere Bücher aus dem Genre. Normalerweise gibt es immer eine ein paar Kapitel umfassende Einleitung, man lernt die Figuren kennen, die Handlung entwickelt sich und dann erst wird man richtig in die Story reingezogen. Eben das fehlte bei "Die Enklave"!
Man stürzt sofort kopfüber in die Tunnel, hat nur einen kurzen Moment Zeit aufzuatmen und steckt dann einfach mitten drin.

Ich hatte wenig Zeit mich an die Figuren zu gewöhnen und die Welt zu verstehen in der sie leben. Viele Fragen sind einfach offen geblieben, ähnlich wie damals bei "Neva".
Man wird sofort ins kalte Wasser geworfen und kann nun entweder schwimmen oder jämmerlich untergehen. Dem ein oder anderen wird der Anfang sicher nicht gefallen, eben weil er sehr speziell ist. Aber wenn man durchhält und dem Buch eine Chance gibt, kann es sich gut entwickeln.
Es gab neben dem schweren Einstieg auch noch ein paar Ungereimtheiten, die mich verwirrt haben. Zwei war beispielsweise noch nie an der Oberfläche und dennoch weiß sie, was der "Himmel" ist. Wer hat ihr den Himmel beschrieben, wenn die meisten doch schon in den Tunneln geboren worden sind?
Und als sie dann draußen ist, erkennt sie den Himmel nicht wirklich, und auch die Sterne findet sie seltsam. Auch ist sie in vielen anderen Dingen sehr einfach gestrickt, fast schon naiv. Plötzlich kennt sie dann aber das Wort "Pragmatismus".
Das Buch ist vielleicht keine Meisterleistung, aber auch nicht unbedingt schlecht. Es gibt zwar viele kleine Ungereihmtheiten, über die man aber wie ich finde hinwegsehen kann.

Das Nachwort ist fast interessanter als die Story selbst.

Was ich bewundernswert finde und Ann Aguirre hoch anrechne, ist die Tatsache, dass sie nicht nur ein Buch darüber geschrieben hat, wie sie sich "den Weltuntergang" oder die Zeit nach der "Apokalypse" vorstellt, sondern dass sie richtig richtig arg dafür recherchiert hat.
Sie las verschiedene Artikel, entwickelte Prognosen und befasste sich damit, welche Dinge nach einer Katastrophe noch funktionieren würden. Sie recherchierte über die Haltbarkeit von Lebensmitteldosen und befasste sich aktiv mit der Untergrundkultur, die es bereits heute in New York City gibt.
Was ich sehr erschreckend fand, war die Prognose, dass es selbst bei der Apokalypse die armen Menschen in den Abgrund schieben würde und die Reichen eher befähigt wären zu überleben.
Bezug nimmt die Autorin auf den Hurrikan Katrina, der dafür sorgte, dass der arme Teil der Bevölkerung weiterhin in ihren zerstörten Häusern wohnen müssen, und ihren Frust meist an Mitmenschen auslassen, und sie - was ich auch ziemlich fürchterlich finde - Gangs bilden, die selbst den ärmsten Familien mit Gewalt noch das letzte Hemd entreißen. Ann Aguire beschäftigt sich viel mit den psychologischen Aspekten so einer Zerstörung und entwickelt dadurch die Charakterzüge ihrer Figuren.

Das Ende war... nun... ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht fand.

Achtung Spoiler! [Zum Lesen Schrift mit der Maus markieren!]

Kennt ihr den Film "Der Nebel" von Steven King?

Der Vater sitzt mit seinem Sohn, einer jungen Frau und einem älteren Ehepaar im Auto, draußen im Nebel sind die bösen menschenfressenden Monster und die Autoinsassen beschließen sich zu erschießen. Der Vater hat aber nur vier Kugeln. Er erschießt erst seinen kleinen Sohn, dann die Frau und das Ehepaar. Er steigt aus dem Wagen und will sich fressen lassen und genau in dem Moment kommt dann die Army angerollt, der Nebel lichtet sich und die Rettung ist da. Tja, shit happens...

Ein ähnliches Ende erwartet euch in "Die Enklave".
Es ist ein sehr solides und durchaus lesenswertes Buch, welches eines zwar nicht umhaut, aber zum Nachdenken veranlasst.
Wer beschließt, dieses Buch zu kaufen und wer ganz gut im Englischen ist, kann sich unter folgenden Adresse schon mal etwas auf das Buch einstimmen:

Klick! (ein Artikel darüber, dass im Falle einer Apokalyse - durch Krankheit, Hunger oder Zombies - die Gesellschaft innerhalb von 100 Jahren zusammenbrechen würde)

Klick! (ein Artikel über die Verderblickeit / Haltbarkeit von Lebensmitteldosen)


Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten

P.S.: Bleich ist sexy^^ Wenn ich den Mann haben könnte, ich würd meinen verkaufen...

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension! Mir hat das Buch auch richtig gefallen! Und ja, Bleich ist wirklich ein lecker Kerlche!^^

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  2. Also ich habe das Buch auch mit 3 von 5 Punkten bewertet.
    Die Namen haben mich am Anfang so gestört :D Da ging es mir ähnlich.

    Mich hat die "Liebesgeschichte" ein wenig genervt. Meiner Meinung nach war das keine... ;)

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